160 Jahre Bahnstrecke Regensburg–Schwandorf: Von 60 Mio. Gulden und einer Oper

Happy Birthday, Bahnstrecke Regensburg–Schwandorf: Am 12. Dezember 1859 wurde sie als erste Bahnstrecke in der Oberpfalz eröffnet – genau heute vor 160 Jahren. Grund genug für einen Blick in die Geschichtsbücher. Dabei erfahren wir, welcher Bahnhof zu einer Oper inspiriert hat, und wem der Bahnanschluss für Ostbayern 60 Millionen Gulden wert war.

Um die Bodenschätze zu erschließen, wurde die Verbindung von Nürnberg nach Regensburg gebaut. Unser Bild zeigt den Bahnhof mit Belegschaft im Jahr 1902. (Foto: DB Museum)

Ein Blick ins Jahr 1859: Es gibt noch keinen deutschen Staat, sondern mit dem Deutschen Bund lediglich einen Zusammenschluss souveräner Fürsten- und Königtümer. Im Königreich Bayern regiert König Maximilian II. In Berlin wird der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. geboren. In England veröffentlicht Charles Darwin seine grundlegende Arbeit zur Evolutionstheorie. Amerika steckt mitten im Goldrausch. Und in der Oberpfalz wird erstmals eine Bahnstrecke eröffnet.

Nur 24 Jahre nach der ersten Eisenbahnfahrt in Deutschland bekommt damit auch die Oberpfalz Anschluss an die Eisenbahn. Gebaut wird damals eine Verbindung von München nach Nürnberg über Regensburg und Schwandorf. Die heutige Direktverbindung Nürnberg–Regensburg über Neumarkt entsteht erst einige Zeit später. 1859 entscheidet man sich für die Streckenführung über Schwandorf, um die Braunkohle- und Eisenerzvorkommen der Region zu erschließen.

Gebaut wird die Strecke von der „Königlich Privilegierten Actiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen“ – einer privaten Bahngesellschaft. Der Bayerische Landtag hatte den Ausbau des Schienennetzes in Richtung Ostbayern durch die Staatseisenbahn nämlich aus finanziellen Gründen abgelehnt. Somit wäre Ostbayern weiterhin vom Eisenbahnverkehr ausgeschlossen geblieben, hätten sich nicht einige Fabrikbesitzer, Kauf- und Privatleute zusammengeschlossen, unter ihnen große Namen wie von Thurn und Taxis, von Cramer-Klett und von Maffei. Sie gründeten die private Bahngesellschaft und stellten als Grundkapital 60 Millionen Gulden für den Bahnbau.

Der Regensburger Hauptbahnhof im Jahr 1902. (Foto: DB Museum)

Mit dem Streckenbau entstehen die Bahnhöfe in der Region, die heute aus den Stadtbildern gar nicht mehr wegzudenken sind. Auch der Regensburger Hauptbahnhof wird im Dezember 1859 eröffnet. Das Bahnhofsgebäude der bayerischen Ostbahn orientiert sich am Vorbild der italienischen Renaissance und steht in etwa an den heutigen Gleisen 1 und 2. In unserem historischen Foto aus dem Jahr 1902 ist bereits ein Neubau des Empfangsgebäudes zu sehen. Durch den starken Anstieg des Bahnverkehrs ist dieser bereits 1892 erforderlich und wird im Stil der Neorenaissance aus Klinkerstein gebaut. Das heutige Empfangsgebäude entsteht 1955 nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg.

Aber auch in kleineren Orten entstehen Bahnhöfe, beispielsweise im Schwandorfer Ortsteil Irrenlohe. Diesem kommt mit der späteren Eröffnung der Strecke Richtung Hof eine besondere Bedeutung als Kreuzungsbahnhof zu. Doch der kleine Bahnhof hat sich noch einen besonderen Namen gemacht: Denn dieser unscheinbare Bahnhalt diente doch tatsächlich als Inspiration für eine Oper. Bei einer Reise von Dresden nach Nürnberg kommt dem österreichischen Komponisten Franz Schreker bei der Stationsdurchsage in Irrenlohe die Idee für seine Oper „Irrelohe“. Die Oper erzählt die Geschichte des Schlosses Irrelohe, dessen Einwohner entflammt von Wahnsinn waren – eben irre-lohe.

Unser Blick in die Geschichtsbücher der Bahnstrecke Regensburg–Schwandorf zeigt: In den 160 Jahren ist viel passiert entlang der Strecke und viel hat sich verändert. Was leider unverändert ist: Die Strecke kann auch heute noch nicht mit klimafreundlichen elektrischen Zügen befahren werden. Und das, obwohl die ersten elektrischen Züge auf anderen Strecken bereits wenige Jahrzehnte nach dem Streckenbau in der Oberpfalz eingesetzt wurden. Die Elektrifizierung des Abschnitts Regensburg–Schwandorf ist also lange überfällig. Derzeit planen wir im Auftrag des Bundes den Ausbau dieser wichtigen Verkehrsachse in der Oberpfalz. So wollen wir für das Oberpfälzer Geburtstagskind in einigen Jahren das nächste Kapital aufschlagen.

 

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