Im Einklang mit Biber und Eidechse: Wie wir den Schutz der Natur beim Bahnausbau sicherstellen

Lebensraum Bahn: Entlang von Bahnstrecken leben nicht nur Menschen, sondern auch zahlreiche Tiere- und Pflanzenarten. Beispielsweise lieben Zauneidechsen die warmen Schottersteine im Gleisbett. Damit die Natur bei unseren Ausbauprojekten nicht mehr als nötig beeinträchtigt wird, investieren wir viel Arbeit.

An vielen Stellen führen Bahnstrecken durch Schutzgebiete, wie hier im Steinwald.

Als die Strecken in Nordostbayern vor rund 150 Jahren gebaut wurden, stand der Schutz der Umwelt noch nicht so sehr im Fokus wie heute. Damals wurde keine große Rücksicht darauf genommen, welche Auswirkungen Bauwerke wie Straßen, Bahnstrecken oder Siedlungen möglicherweise auf die Natur haben könnten. Deswegen führen viele Strecken heute durch sensible Landschaftsbereiche. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland erstmals Gesetze zum Schutz der Natur erlassen, beispielsweise zum Schutz des Waldes oder von Vögeln. Außerdem gründeten sich erste Naturschutzvereine und staatliche Stellen wurden eingerichtet.

Heute gibt es in Deutschland ein umfangreiches Gesetzeswerk rund um den Umwelt- und Naturschutz. Sogar im Grundgesetz ist das Thema verankert. Artikel 20a besagt: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Neben diesem recht allgemeinen Bekenntnis zum Naturschutz gibt es zahlreiche gesetzliche Regelungen auf Bundes- und Landesebene sowie internationale Abkommen oder Richtlinien der Europäischen Union.

Doch zurück an die Bahnstrecken in Nordostbayern: Wie können wir denn nun sicherstellen, dass die Lebewesen in der Umgebung der Bahn nicht mehr als nötig beeinträchtigt werden? Dafür sind unsere Umweltplaner schon lange vor dem eigentlichen Bauprojekt im Einsatz. Die Umweltplaner sind „auf Du und Du“ mit Eidechse, Biber und Co. Als ersten Schritt untersuchen sie, welche Tiere und Pflanzen an den Bahnstrecken in Nordostbayern überhaupt vorkommen. Dazu werden beispielsweise Bestandskarten gewälzt, Jäger oder Förster befragt und bei Verbänden oder Behörden recherchiert. Besonderer Fokus liegt dabei auf geschützten Biotopen, Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH-Gebieten) und weiteren behördlich ausgewiesenen Schutzgebieten.

Im weiteren Planungsverlauf werden auch eigene Untersuchungen durchgeführt: Zum Beispiel wird mittels sogenannter Horchboxen an geeigneten Stellen nach Fledermäusen gesucht. Horchboxen machen die Ultraschallrufe der Fledermäuse für den Menschen hörbar. An anderen Stellen werden Haselmaus-Tubes ausgelegt. Mit diesen Lebendfallen werden Haselmäuse angelockt und können so nachgewiesen werden. Natürlich kommen die Mäuse bei dieser Methode nicht zu Schaden. Da die Bahnstrecken in Nordostbayern in langen Abschnitten parallel zu Flüssen laufen (vor allem Pegnitz und Waldnaab), sind auch die Bewohner von Gewässern ein wichtiger Aspekt. Deswegen werden Fische mit einer Elektrobefischung erfasst und auch Biber und Fischotter untersucht.

Umweltingenieur Markus Hübner

Markus Hübner arbeitet als Umweltingenieur am Bahnausbau in Nordostbayern mit. Er sieht den Naturschutz als Aufgabe über die gesamten Planungen hinweg: „Die Erfassung der verschiedenen Lebewesen in der Umgebung der Bahnstrecken ist der erste Schritt, um deren Schutz sicherzustellen. Die Vorbereitungen zu diesen Untersuchungen laufen bereits in der Vorplanung der Ausbauprojekte, wie derzeit für den Streckenabschnitt Nürnberg–Marktredwitz. In den weiteren Projektphasen entwickeln wir dann geeignete Schutzmaßnahmen für die verschiedenen Arten. Beispielweise könnte das die Umsiedlung von Zauneidechsen in geeignete Ersatzhabitate sein - natürlich bevor die Bagger anrollen. Der Fokus unserer Arbeit: Den Schutz der Lebewesen beim Bahnausbau sicherzustellen. Immerhin ist das Ziel von Bahnprojekten das Klima zu entlasten und die Mobilität der Menschen zu verbessern. Das darf im Umkehrschluss nicht zu Lasten der Natur gehen.“

 

 

 

Zurück

Aktuelles

Mediathek

Kontakt

Jobs