Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

740m Gleise

Der Transport von Gütern ist für Unternehmen von großer Bedeutung und der Ausbau der Transportwege ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Aber auch für uns als Endverbraucher spielt der Gütertransport eine große Rolle – immerhin müssen unsere Lebensmittel irgendwie ins Supermarktregal gelangen und unsere online bestellten Pakete den Weg bis an unsere Haustür zurücklegen.

Der Transport von Gütern erfolgt in Deutschland derzeit hauptsächlich mit LKWs über unsere Autobahnen, Bundes- und Landstraßen. Das bringt aber einige Nachteile mit sich. Beispielsweise verbraucht der Transport auf der Straße deutlich mehr CO2 als der klimafreundliche Schienenverkehr. Das hohe Verkehrsaufkommen bringt unsere Straßen oft an die Kapazitätsgrenzen, Staus und lange Fahrzeiten sind die Folge.  Deswegen soll der Transport von Gütern auf der Schiene gestärkt werden.

Eine wichtige Maßnahme, um den Schienenverkehr attraktiver zu machen, ist der Ausbau des deutschen Schienennetzes für den Einsatz von 740 Meter langen Güterzügen. Das ist derzeit die europäische Standard-Zuglänge. Die Vorteile besonders langer Züge liegen auf der Hand: Der Transport wird günstiger, es müssen weniger Züge verkehren, die Streckenkapazität wird somit erhöht und das Klima wird effektiver geschont. Die langen Güterzüge können derzeit aber nur auf wenigen deutschen Strecken überhaupt eingesetzt werden. Der Grund: Es gibt keine Überholmöglichkeiten für diese Züge. Denn grundsätzlich kann zwar auch ein 740 Meter langer Zug auf unseren Bahnstrecken fahren – er kann nur eben nicht überholt werden. Und das ist ein großes Problem, denn der Güterverkehr fährt in der Regel deutlich langsamer als Personenzüge und stört so den ohnehin engen Fahrplan, wenn er nicht überholt werden kann. Die Folge wären Verspätungen für unsere Fahrgäste.  

Weichen ermöglichen den Wechsel von einem Gleis auf ein anderes.

Anders als bei Straßen kann für einen Überholvorgang auf Schienen nicht so einfach die Spur an jeder beliebigen Stelle gewechselt werden. Damit ein Zug von einem Gleis auf ein anderes wechseln kann, ist eine Weiche erforderlich. Für einen Überholvorgang sind immer zwei Weichen nötig: Einmal zum Verlassen des Hauptgleises und einmal, um wieder auf das Hauptgleis zurück zu kehren und die Fahrt fortzusetzen. Die Entfernung dieser beiden Weichen gibt folglich die maximale Länge eines Zuges vor. Sind die Weichen mindestens 750 Meter voneinander entfernt, kann ein 740 Meter langer Zug darauf zur Überholung zur Seite fahren und hat an jedem Ende noch 5 Meter Sicherheitsabstand. Nur wenn eine Strecke eine ausreichende Anzahl an solchen Überholungsmöglichkeiten hat, kann sie von den langen Güterzügen befahren werden.

Damit der Einsatz von 740 Meter langen Güterzügen auf den deutschen Bahnstrecken zukünftig möglich wird, hat der Bund ein ganzes Paket an Maßnahmen im Schienennetz vorgesehen – das 740 Meter-Programm. Dieses besteht aus rund 75 einzelnen Vorhaben im gesamten Bundesgebiet. Zusätzlich zu diesem Paket werden im Rahmen der laufenden Ausbauprojekte weitere Überholmöglichkeiten geschaffen. So auch bei den Projekten in Nordostbayern: Beispielweise ist in Oberkotzau (Strecke Hof–Marktredwitz) und in Arzberg (Strecke Marktredwitz–Schirnding) jeweils die Verlängerung bestehender Überholgleise auf eine Länge von 750 Metern vorgesehen.  

Durch Weichenverbindungen an den richtigen Stellen kann der schnelle Personenverkehr den langsameren Güterverkehr überholen.

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