Deutsche Bahn AG / Michael Neuhaus

Schallschutz

Bis 2020 soll der Schienenverkehrslärm in Deutschland im Vergleich zum Jahr 2000 halbiert werden. Dieses Ziel der Deutschen Bahn wird die Anwohner an Bahnstrecken spürbar entlasten. Beim Ausbau der Bahnstrecken in Nordostbayern berücksichtigen wir den Schallschutz gemäß den Vorgaben des Bundes.

 

Leisere Güterzüge

Bei der Reduzierung von Schienenlärm setzt die Deutsche Bahn auf ein übergreifendes Gesamtkonzept, das sowohl Maßnahmen am Fahrzeug als auch am Fahrweg beinhaltet. Die Lärmreduzierung an der Quelle – also direkt am Zug – wirkt auf dem gesamten Streckennetz. Der Einsatz leiser Bremstechnologien im Schienengüterverkehr ist deshalb die wichtigste Maßnahme, um den Lärm an Bahnstrecken zu bekämpfen.

Entscheidend für die Lärmentwicklung eines Zuges sind die Rollgeräusche, die zwischen Rad und Schiene entstehen. Je glatter die Oberflächen sind, desto leiser sind die Rollgeräusche. Bei jedem Bremsvorgang eines Güterzuges mit herkömmlichen Bremsen aus Grauguss werden die Räder ein wenig aufgeraut. Mit sogenannten Flüsterbremsen aus Verbundstoff wird dieses Aufrauen minimiert und die Räder bleiben deutlich glatter. Der Lärm wird so um bis zu zehn Dezibel reduziert – das entspricht einer Halbierung des wahrgenommenen Schalls. Derzeit sind bereits rund 85 Prozent der DB-Güterwagenflotte in Deutschland mit sogenannten Flüsterbremsen ausgestattet (Stand September 2019), bis Ende 2020 wird die komplette Flotte von DB Cargo leise sein. Um auch anderen Güterverkehrsbetreibern einen Anreiz zur Umrüstung ihrer Flotte zu geben, begünstigt ein lärmabhängiges Trassenpreissystem den Einsatz der leiseren Züge. Ab dem Fahrplanwechsel 2020/21 wird lauter Güterverkehr auf dem deutschen Streckennetz durch das Schienenlärmschutzgesetz ausdrücklich verboten.

Ein weiterer positiver Effekt auf den Bahnstrecken in Nordostbayern: Nach der Elektrifizierung können elektrisch betriebene Züge eingesetzt werden. Diese sind von Natur aus während der gesamten Fahrt deutlich leiser als die bisherigen Dieselzüge.

 

Rechtliche Rahmenbedingungen

Um den Schutz der Anwohner von Bahnstrecken zu ermöglichen, hat der Bund die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen geschaffen.

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) regelt den Schutz vor Verkehrslärm. Demnach ist beim Neubau oder der wesentlichen Änderung eines vorhandenen Verkehrsweges sicherzustellen, dass keine schädlichen Umwelteinwirkungen durch Verkehrsgeräusche hervorgerufen werden, die nach dem Stand der Technik vermeidbar wären. Allerdings müssen Kosten und Nutzen dabei in einem angemessenen Verhältnis zueinanderstehen.

In der 16. Bundes-Immissionsschutzverordnung (16. BImSchV) ist konkret festgelegt, wann Anlieger eines Schienenweges Anspruch auf Schallschutz haben. Dazu wird beispielsweise geregelt, auf welche Art und Weise der Lärmpegel berechnet wird. Außerdem enthält die 16. BImSchV Grenzwerte für verschiedene Anwendungsfälle (z.B. Tag und Nacht).

 

Aktiver und passiver Lärmschutz

Bei Maßnahmen zum Lärmschutz unterscheidet man zwischen aktiven und passiven Maßnahmen. Als aktiv werden Maßnahmen direkt an der Strecke bezeichnet. In aller Regel sind das Schallschutzwände oder Maßnahmen am Gleis. Bei passiven Maßnahmen hingegen werden Änderungen an den betroffenen Gebäuden vorgenommen, beispielsweise Schallschutzfenster eingebaut. Auf passive Maßnahmen wird nur dann zurückgegriffen, wenn aktive Maßnahmen nicht möglich oder nicht wirtschaftlich umsetzbar sind.

 

Einzelfallentscheidung für die Strecke Hof–Regensburg

Für den Streckenabschnitt Hof–Marktredwitz–Regensburg waren die Planungen im Jahr 2017 schon weit fortgeschritten und der Antrag auf Planfeststellung wurde fertig gestellt. Grundlage dieser Planungen war eine Elektrifizierung mit nur punktuellem Schallschutz. Damit wurde der bisherigen Vorgabe des Bundes gefolgt, Schallschutz nur im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen vorzusehen. Maßgeblich dafür ist das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Dieses besagt, dass im Falle einer wesentlichen Änderung an einer Bahnstrecke die Grenzwerte gemäß der 16. Bundes-Immissionsschutzverordnung (16. BImSchV) einzuhalten sind. Allerdings gelten Elektrifizierungsprojekte wie die in Nordostbayern aufgrund aktueller Rechtsprechung meist nicht als wesentliche Änderung. Das liegt vor allem daran, dass sich die Kapazität einer Strecke durch eine Elektrifizierung nicht wesentlich erhöht.

Für die Strecke Hof–Marktredwitz–Regensburg hat der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur im Juli 2017 festgelegt, dass die Elektrifizierung mit Schallschutz gemäß den Standards der Lärmvorsorge erfolgen soll und die hierdurch entstehenden Mehrkosten durch den Bund finanziert werden. Der Bund als Auftraggeber der DB Netz AG hat damit entschieden, dass die Grenzwerte der 16. Bundes-Immissionsschutzverordnung bei dem Projekt durchgehend eingehalten werden müssen. Begründet wird das mit der besonderen verkehrslenkenden Wirkung des Projektes.

 

Was bedeutet das für die Anwohner zwischen Hof und Regensburg?

Für die Anwohner zwischen Hof und Regensburg ist das eine gute Nachricht, denn sie profitieren so von umfassenden Maßnahmen zum Lärmschutz. Im Abschnitt Hof–Marktredwitz (inkl. Marktredwitz) waren die Planungen zum Zeitpunkt der Einzelfallentscheidung schon weit fortgeschritten. Dadurch ergibt sich eine deutliche Verzögerung des Projektes, da die bestehende Planung umfassend überarbeitet werden muss. Anschließend werden die Planungsergebnisse den Anwohnern erneut bei Informationsveranstaltungen vorgestellt. Dies ist für das Jahr 2020 vorgesehen. Dabei wird auch die Schallschutzplanung präsentiert und wir werden konkret aufzeigen, an welcher Stelle welche Schallschutzmaßnahmen vorgesehen sind.

Im Abschnitt Marktredwitz–Regensburg kann die Planung aufgrund der späteren Beauftragung durch den Bund ohne Verzögerung von Anfang an mit Schallschutz erfolgen.

 

Vorgehensweise bei den anderen Strecken in Nordostbayern

Im Rahmen der Vorplanung wird auch für die nordostbayerischen Strecken, für die es keine Einzelfallentscheidung gibt, ein sogenanntes Schallvorgutachten erstellt. Bei diesem wird die Schallentwicklung an der Strecke mit und ohne die Ausbaumaßnahme untersucht. Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Vorgutachten wird anschließend über das weitere Vorgehen entschieden.

 

weiterführende Informationen

ausführliche Informationen rund um das Thema Schallschutz bietet das Lärmschutzportal der Deutschen Bahn sowie der aktuelle Lärmschutz-Bericht der DB:

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